|
Blackwater-Söldner
Lizenzentzug und die Strafandrohung
Söldner-Truppe könnte die Bush-Regierung in immense Probleme stürzen
|
|
|
|
|
Ressort: Ausland
URL: /ausland/artikel/634/133386/article.html
Datum und Zeit: 18.09.2007 - 14:09
18.09.2007 11:25 Uhr Drucken | Versenden
| Kontakt
Blackwater-Söldner im Irak
Der verbotene private Krieg
Bislang haben private Sicherheitsdienstleister der US-Armee viel Arbeit im
Irak abgenommen - und konnten sich in einer juristischen Grauzone sicher
fühlen. Der Lizenzentzug und die Strafandrohung für eine schießwütige
Söldner-Truppe könnte die Bush-Regierung in immense Probleme stürzen.
Von Oliver Das Gupta
![blackwater söldner usa irak]()
Blackwater-Mitarbeiter
überwachen das Zentrum Bagdads vom Helikopter aus
Foto: AFP ![[]]()
Eine Firmenphilosophie ganz nach Gusto des Präsidenten: Die eigene
"Vision" sei es, "überall Sicherheit, Frieden, Freiheit und
Demokratie zu unterstützen", schreibt Blackwater in bemüht weihevoller
Diktion auf seiner Homepage.
Wie die praktische Umsetzung dieser hehren Vorstellungen für den privaten
Sicherheitsdienstleister aus North Carolina mitunter ausfällt, zeigte sich am
vergangenen Sonntag in Bagdad.
In sechs Geländewagen waren Blackwater-Angestellte im Auftrag des
US-Außenministeriums durch die irakische Hauptstadt gefahren. Im Stadtteil
Mansur ereignete sich eine Explosion - womöglich schlug in der Nähe eine
Granate ein. "Die Leute der Firma fuhren nur zufällig vorbei", wird
später ein irakischer Regierungssprecher sagen.
Die Blackwater-Leute eröffneten sofort das Feuer, schossen wahllos, berichteten
Augenzeugen. 13 Iraker wurden verletzt, acht starben, darunter ein Polizist.
Der Blackwater-Konzern erklärte anschließend lapidar, seine Angestellten hätten
angemessen auf einen feindlichen Angriff reagiert.
Die irakische Regierung schäumte: "Wir werden die Arbeit der
Sicherheitsfirma stoppen, die dieses Verbrechen begangen hat", kündigte
Ministerpräsident Nuri al-Maliki an. Sein Innenminister Dschawad al-Bolani
erklärte: "Diese Vorfälle sind mehr als einmal passiert, und wir können
nicht länger schweigen."
Schnelle Reaktion von Rice
Die irakische Regierung entzog der Söldner-Truppe kurzerhand die Lizenz. Im
Washingtoner Außenministerium hieß es, man sei von diesem Schritt bislang nicht
unterrichtet worden. Ein Sprecher wandte sich gegen voreilige
Schlussfolgerungen, seine Chefin war offenbar schon einen Schritt weiter.
Mehr zum Thema
Irak schmeißt
US-Söldner raus mehr...
"Der
Irakkrieg ist eine Goldmine" mehr...
Außenministerin Condoleezza Rice hatte zum Telefon gegriffen und al-Maliki
angerufen. Sie soll den Vorfall bedauert und ihm versprochen haben, dass alles
sorgfältig untersucht werde. Rice habe zudem versichert, dass die USA alles in
ihren Kräften Stehende täten, um einen derartigen Verlust von Menschenleben zu
vermeiden, hieß es. Dies unterscheide die Vereinigten Staaten von "den
Feinden des irakischen Volkes, die gezielt Zivilisten ins Visier nehmen".
Doch damit hat sich die Causa für die irakische Regierung noch lange nicht
erledigt. Im Gegenteil - der Vorfall könnte zu einem folgenreichen
Präzedenzfall werden: Das Bagdader Innenministerium will die
Blackwater-Schützen zur Verantwortung ziehen - was ein Novum wäre.
Bislang wurde im Irak noch keine private Sicherheitsfirma für Übergriffe zur
Rechenschaft gezogen. Die rechtliche Stellung der privaten Dienstleister liegt
in einer Grauzone: Sie unterliegen nicht der US-Militärjustiz, nach US-Lesart
aber auch nicht der irakischen Justiz.
Zum anderen könnte der Lizenzentzug für Blackwater die Bush-Administration vor
erhebliche Probleme stellen: Das US-Verteidigungsministerium hatte bislang
wesentliche Aufgaben an die bei den Irakern wegen ihres martialischen Auftretens
unbeliebten Dienstleister wie Blackwater delegiert - um die unter Personalnot
ächzende US-Armee zu enlasten. So lässt das Außenministerium sein Personal im
Irak durch Blackwater und die anderen Sicherheitsdienstleister Dyncorp and
Triple Canopy beschützen.
Bildstrecke
Private Sicherheitsdienstleister: Blackwater und andere moderne Söldner ![[]]()
![[]](http://www.sueddeutsche.de/ausland/bildstrecke/665/133416/resized_image_fmbg_0_0-1190111296.jpg)
![[]]()
![[]]()
![[]]()
![[]]()
![[]]()
![[]]()
![[]]()
![[]](http://www.sueddeutsche.de/ausland/bildstrecke/665/133416/resized_image_fmbg_0_11-1190111792.jpg)
![[]]()
![[]]()
Inzwischen tummeln sich mehrere zehntausend privater Söldner im Zweistromland,
unter ihnen viele US-Bürger und Briten, die zuvor Militärangehörige waren. Die
modernen Söldner werden vor allem für den Personenschutz eingesetzt, sind
zumeist mit automatischen Waffen und gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet und
unterstehen meist keiner anderen Aufsicht als der ihres Unternehmens.
Blackwater ist einer der größten Sicherheitsdienstleister und war zeitweise im
Auftrag von Halliburton im Irak tätig, dem ehedem von Vizepräsident Dick Cheney
geleiteten Konzern.
Eigene Hubschrauberflotte
Blackwater unterhält in Bagdad eine Hubschrauberflotte und beschäftigt etwa
1000 Angestellte im Irak, die allerlei Aufträge für die US-Regierung ausführen
- ein äußerst einträgliches Geschäft: Die Dienstleistungen für Washington
sollen einen Wert von mindestens 800 Millionen Dollar (etwa 580 Millionen Euro)
haben.
Ob Blackwaters Einsatzverbot im Irak endgültig ist, hängt bislang noch in der
Schwebe. Am Montag hieß es, es sei unklar, ob der Entzug der Lizenz nur
zeitweise oder unbefristet gelten würde.
Allerdings steigt der innenpolitische Druck auf al-Maliki dahingehend, die
Entscheidung nicht mehr rückgängig zu machen. Die Bewegung des radikalen Schiitenführers
Moktada al-Sadr forderte inzwischen sogar das Verbot aller ausländischen
Sicherheitsunternehmen im Irak.
(sueddeutsche.de)